1. Deutsches Robotik-Start-up sammelt größte Seed-Runde ein – Koop mit Google Cloud
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Das deutsche Robotik-Start-up microagi hat die bislang größte Seed-Runde einer deutschen Neugründung überhaupt eingefahren. Zudem gibt sie eine Kooperation mit Google Cloud bekannt, um im großen Stil Nvidia-Technik für das Training auf Task-spezifische Aufgaben zu nutzen. Die Firma aus Bayern will damit den Robotikmarkt aufmischen und branchenspezifische Lösungen anbieten, wo heute noch vor allem Menschen arbeiten.

Ohne Trainingsdaten geht nichts

Was den Erfolg großer Sprachmodelle ausmacht, sind ausreichende Mengen an Trainingsdaten: Mittlerweile fürchten große KI-Firmen wie Anthropic oder OpenAI gar, dass nicht mehr genügend menschliche Informationen vorhanden sind und selbst Antiquariate werden im großen Stil abgeerntet.

Was für Large Language Models gilt, gilt auch für die Robotik – zumindest nehmen das diverse Start-ups an, die die sogenannte Physical AI vorantreiben. Ihre Idee: Wenn erst einmal genügend Informationen über die Art, wie Menschen Tätigkeiten absolvieren, vorhanden sind, können sich KI-gestützte Roboter problemlos in unbekannten Umgebungen zurechtfinden, uns bei Küchen-, Haushalts-, Logistik- oder Industriearbeit unterstützen oder gar ablösen. Diesen Glauben hat man auch in München, wo microagi seinen Sitz hat. Die von Bercan Kilic geleitete Firma liefert Grunddaten für zahlreiche andere Robotikunternehmungen, indem sie Menschen dafür bezahlt, ihre Arbeit in Third-Person-Ansicht filmen und erfassen zu lassen. Außerdem bietet sie Fertiglösungen für Physical AI an und betätigt sich als eine Art Robotik-Generalunternehmer. Kilic arbeitete zuvor als Aerodynamik-Ingenieur beim Formel-1-Team von Red Bull.

KI-Robotik als deutsches Wachstumsfeld

Die Geschäftsidee scheint bei Investoren anzukommen: microagi gelang es in diesem Monat, mit 48 Millionen Euro (55 Millionen US-Dollar) die größte sogenannte Seed-Runde aller Zeiten für eine deutsche Neugründung einzusammeln. Zur Gesamtbewertung wurden zunächst keine Angaben gemacht – microagi dürfte damit aber auf dem Weg zum Milliarden-Unicorn sein. Mit Seed-Runde ist üblicherweise die Frühfinanzierung gemeint, die sich Investitionen sogenannter Business Angels anschließt, also Privatpersonen als initiale Geldgeber.

KI-gestützte Robotik ist in Deutschland derzeit ein heißes Thema: Wenige Tage vor microagis Rekord-Seed bekam Neura Robotics aus Metzingen in einer Finanzierungsrunde bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar. Dabei beteiligten sich auch große US-Namen wie Amazon, Qualcomm oder Nvidia, das selbst wieder massiv vom KI-Hype profitiert, indem es die notwendige Hardware für Rechenzentren verkauft. microagi setzt darauf, seinen Kunden dabei zu helfen, ihre Roboter überhaupt einsetzen zu können. Dazu sammelt die Firma nicht nur Daten, sondern übernimmt auch die Feinabstimmung der Systeme für Industrie und Roboterhersteller selbst. So gehören die chinesischen Konzerne UBTECH und Unitree zu den Partnern, die derzeit mit vergleichsweise günstigen Robotern den Markt aufmischen. Die 55 Millionen US-Dollar Seed-Kapital sammelte microagi wiederum von Hummingbird, Northzone, Localglobe, Village Global und Redalpine ein. Große US-Risikokapitalgeber waren zunächst nicht darunter, doch könnten sie in kommenden Runden hinzustoßen.

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Kostenlose Wohnungsreinigung gegen Daten

In den USA sorgte microagi dennoch für viel Aufmerksamkeit. Die von der Firma aufgebaute Plattform shift wirbt Profis, aber auch ganz normale Menschen an, die microagi Daten liefern. In New York gibt es aktuell etwa den Stunt, dass von microagi bezahlte Putzkräfte kostenlos die Wohnung reinigen. In San Francisco begann microagi wiederum, Gratisgerichte von Privatköchen bei interessierten Familien zubereiten zu lassen. In beiden Fällen müssen die Bewohnerinnen und Bewohner allerdings vorab erlauben, dass das Personal Kameras an ihren Käppies trägt, die die Tätigkeit aus der Kopfperspektive aufnimmt. Weiterhin wird versucht, normale Angestellte dazu zu bewegen, sich ein spezielles Kopfkorsett mit ihrem iPhone umzuschnallen, um ihre Tätigkeiten per App filmen zu lassen – egal ob in der Küche, beim Zusammenlegen von Wäsche oder anderen Jobs. 20 US-Dollar und mehr sollen so pro Stunde drin sein, wobei microagi selbst entscheidet, was bezahlt wird und was nicht. Sind die Daten nicht nutzbar, gibt es kein Geld. Laut Kilic erreichen die Datensammler aber einen Schnitt von über 70 Prozent, der angenommen werde.

Die microagi-Plattform Atlas setzt wiederum auf einen anderen Weg: Sie sammelt Daten von Robotern selbst, um deren Arbeitsabläufe zu optimieren. Dabei schickt microagi eigene Ingenieure in die Firmen, die den beteiligten Robotiknutzern dabei helfen sollen, ihre Systeme besser einzusetzen. Auch daraus sollen dann wieder Daten gewonnen werden, damit die KI verallgemeinern kann und sich Roboter auch anderswo zurechtfinden. Ob der Ansatz wirklich funktioniert, weiß noch niemand. Die KI-Robotik-Szene hofft auf einen ähnlichen Durchbruch wie im November 2022 bei den großen Sprachmodellen, als plötzlich ChatGPT auftauchte und die gesamte KI-Branche revolutionierte.

Nvidia-Server-Technik von Google Cloud

Dass microagi ernst genommen wird, zeigt auch eine Zusammenarbeit, die das Unternehmen an diesem Mittwoch ankündigte: Google Cloud soll die Basis der microagi-KI-Robotik-Plattform werden. Das Start-up will dazu zum einen den vorhandenen KI-Stack der Alphabet-Tochter nutzen, zum anderen aber auch dessen Nvidia-Hardware, die weltweit in den Rechenzentren des Internetriesen steht. Task-spezifische Modelle sollen auf der Blackwell-Plattform trainiert werden, es kommen GPUs der Reihe RTX PRO 6000 (Blackwell Server Edition auf Basis von G4-VMs) und GB300-NVL72-Rackscale-Systeme zum Einsatz (mit A4X Max). Ziel sei es, dass microagi sein „einzigartiges Geschäftsmodell“ umsetzen könne, um die KI-Robotik-Entwicklung zu beschleunigen. Google Cloud ist kein Investor bei microagi, wie viel Geld das Start-up in die Miete der Servertechnik steckt, wurde nicht bekannt.

Klar ist: Die Infrastruktur soll die Bemühungen von microagi unterstützen, individuell anpassbare Software für die KI-Robotik in Unternehmen anzubieten. Als Beispiel nannte das Start-up Firmen aus dem Gastgewerbe oder der Industrie, die sich dann Roboter kaufen können, auf denen microagi-Software läuft. Die soll dann mit den passenden Modellen für gewünschte Tätigkeiten vorkonfiguriert sein, damit Kollege Roboter gleich losarbeiten kann.

(bsc)

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