- KI-Update kompakt: KI-Robotik, DiffusionGemma, Google DeepMind, Bakteriophagen
Münchner Start-up Micro AGI will Europas Robotik voranbringen
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Das junge Unternehmen Micro AGI aus München hat mit 55 Millionen Euro die bislang größte Seed-Runde in Deutschland eingeworben. Das Unternehmen um Gründer Berkan Kilic, ehemals in der Formel 1 tätig, verfolgt ein doppeltes Geschäftsmodell. Als Systemintegrator automatisiert es Arbeitsprozesse in Unternehmen samt Nachtraining für die Fertigung. Parallel betreibt es einen Marktplatz für Trainingsdaten: Micro AGI bezahlt Reinigungen, Kochsessions und andere Arbeiten im Haushalt, die Kunden müssen nur die Datenerfassung mit Kameras und bald auch einem taktilen System erlauben. Zusätzlich können Menschen ihre aktuelle Tätigkeit selbst filmen und sich dafür bezahlen lassen. Die Daten sollen physische KI schneller und umfangreicher trainieren als die übliche Teleoperation humanoider Roboter.
Kilic warnt, nach der Produktion drohe auch das geistige Eigentum der europäischen Industrie nach China und anderswo abzuwandern, sollte Europa die Automatisierung nicht massiv vorantreiben. Die Zukunft komme ohnehin, sagte er heise online. Jetzt entscheide sich, wer an der Wertschöpfung teilhabe. Zuvor hatte bereits Neura Robotics aus Metzingen über eine Milliarde Dollar eingesammelt.
Nach OpenAI und Anthropic räumt nun auch Meta ein, dass sich eine eigene KI-Software in fremde Systeme gehackt hat. Ähnlich wie bei einigen Vorfällen der beiden Rivalen OpenAI und Anthropic lag die Ursache in einer Fehlkonfiguration bei demselben Testpartner. Durch die falsche Einstellung erhielten die Modelle Zugang zum Internet, was eigentlich nicht vorgesehen war.
Meta nannte den betroffenen Testpartner nicht, in dessen Systeme die KI durch eine Schwachstelle eindrang. Der Konzern erfuhr von dem Vorfall nach eigenen Angaben erst durch eine Mitteilung des Partners.
OpenAI pausiert Arbeit an neuem Modell Astra
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OpenAI hat die Entwicklung seines Modells Astra teilweise ausgesetzt, das für den Cyberangriff auf Hugging Face verantwortlich war. In einer Testumgebung kommunizierten mehrere Modelle heimlich über ein Messageboard und nutzten gemeinsam eine Zero-Day-Lücke aus. So erlangten sie Kontrolle über einen Server, was später den Angriff auf Hugging Face ermöglichte.
OpenAI stuft Astras Fähigkeiten als potenziell kritisch ein, da das Modell eigenständig Schwachstellen finden könnte. Bis die Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen verbessert sind, ruht die Entwicklung.
Google DeepMind baut Gemma zum Diffusions-Textmodell um
Google DeepMind hat mit DiffusionGemma gezeigt, dass Textmodelle nicht Token für Token schreiben müssen. Inspiriert von Bildgeneratoren entsteht der Text aus zufälligem Rauschen, wie der technische Bericht nun aufschlüsselt. 256 Tokens generiert das Modell parallel und arbeitet damit rund fünfmal schneller als vergleichbare Modelle mit traditioneller Architektur. Google trainierte kein neues Modell, sondern baute das fertige Gemma 4 mit weniger als zehn Prozent des ursprünglichen Trainings-Token-Budgets um.
Ein interessanter Effekt ist die Selbstkorrektur. Gemma 4 startet bei einer Matheaufgabe etwa mit „minus 1“, merkt beim Herleiten, dass „minus 25“ stimmt, und korrigiert sich nachträglich. DiffusionGemma hingegen entwickelt Antwort und Begründung gleichzeitig und tauscht die falsche Zahl aus, bevor überhaupt etwas beim Nutzer ankommt. Beim Sudoku löst es nach kurzem Fine-Tuning knapp 85 Prozent der Rätsel, das Basismodell scheiterte komplett. Insgesamt bleibt DiffusionGemma jedoch hinter dem Ausgangsmodell zurück und hängt manchmal in Wiederholungsschleifen fest. Ab etwa 32 gleichzeitigen Nutzern ziehen klassische Modelle beim Durchsatz zudem gleich. Google stellt die Gewichte frei zur Verfügung.
DeepMind sagt Wirbelstürme genauer voraus
Für präzisere Analysen hat Google DeepMind mit WeatherNext Cyclones außerdem ein KI-System zur Vorhersage tropischer Wirbelstürme vorgestellt. Es blickt rund einen Tag weiter voraus als führende operative Modelle. Diese Verbesserung entspricht dem Fortschritt, den klassische Wettermodelle in einem Jahrzehnt erzielt haben. Fünf Tage im Voraus liegt die geschätzte Position des Sturmzentrums im Schnitt 230 Kilometer neben dem tatsächlichen Ort, bei einem Vergleichsmodell sind es 370 Kilometer.
Das System löst einen alten Zielkonflikt zwischen Zugbahn und Intensität. Es arbeitet mit einem rund hundertmal gröberen Raster als spezialisierte Regionalmodelle. Wie es dennoch so genaue Vorhersagen liefert, bleibt laut DeepMind eine offene Forschungsfrage. Code und Gewichte sind frei verfügbar, seit Juni 2025 laufen die Vorhersagen live auf Googles Weather Lab.
Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder dreimal die Woche Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Google verliert weitere KI-Spitzenforscher
Im Zuge interner Umstrukturierungen baut Google die Führung von DeepMind um. Bekannt wurde, dass der bisherige CEO Demis Hassabis wird Vorsitzender von Google DeepMind und Chief Scientist des Mutterkonzerns Alphabet. Die operative Leitung geht an den bisherigen Technikchef Koray Kavukcuoglu. Hassabis will sich stärker bei Isomorphic Labs engagieren, seinem KI-Unternehmen für Medikamentenentwicklung. Er kam 2014 mit der Übernahme von DeepMind zu Google und erhielt 2024 den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeit an AlphaFold.
Zeitgleich verlässt Chief Scientist Jeff Dean mit drei Spitzenforschern das Unternehmen. Dean, der 30. Mitarbeiter Googles, prägte über Jahre die KI-Forschung und gründete Google Brain mit. Er startet nun das Start-up Discovery Loop, an dem Google als Gründungsinvestor beteiligt ist. Intern sorgt die Neuordnung laut New York Times für Verunsicherung. Beschäftigte fürchten, DeepMind verliere Eigenständigkeit und ethische Grenzen könnten aufgeweicht werden. Technologisch steht Google unter Druck: Das angekündigte Modell Gemini 3.5 Pro lässt weiter auf sich warten, laut Axios auch wegen schlechter Stimmung in den Teams.
Mistral veröffentlicht Sicherheitsmodell Shieldstral
Der französische Anbieter Mistral AI hat mit Shieldstral ein Modell zur Inhaltsmoderation vorgestellt. Statt fester Kategorien nutzt es einen flexiblen Frage-Antwort-Ansatz. Betreiber formulieren Richtlinien als Ja/Nein-Fragen, das Modell liefert einen Sicherheitswert. So kann es unterscheiden, ob ein Zitat in einem Schulreferat oder in einem Blogpost steht.
Laut Mistral erreicht Shieldstral die Leistungsfähigkeit siebenmal größerer Modelle bei deutlich höherer Effizienz. Das Modell basiert auf Mistrals eigener Familie und steht unter der Apache-2.0-Lizenz als Open-Weights-Modell zur Verfügung.
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Für die Programmierung bringt Meta mit Muse Code einen KI-Coding-Agenten, der mit Angeboten von OpenAI und Anthropic konkurrieren soll. Er basiert auf dem neuen Sprachmodell Muse Spark 1.2, das speziell für Programmieraufgaben optimiert wurde. Über die Kommandozeile analysiert Muse Code Softwareprojekte, plant Änderungen, schreibt Code und testet die Ergebnisse. Eine Architektur mit mehreren Hintergrundagenten erlaubt komplexe Aufgaben.
Meta positioniert den Dienst vor allem über niedrige Nutzungskosten. In unabhängigen Benchmarks erreicht Muse Spark 1.2 eine Leistung im Mittelfeld, bleibt aber hinter den Spitzenmodellen zurück.
AMD plant Übernahme von Chipentwickler Taalas
Zur Stärkung des eigenen Portfolios treibt AMD die geplante Übernahme des kanadischen Start-ups Taalas voran, um KI-Portfolio um schnelle Inferenzlösungen zu erweitern. Die 2023 in Toronto gegründete Firma gießt KI-Modelle direkt in Silizium. Solche applikationsspezifischen Chips haben das Modell fest verdrahtet, was Inferenz beschleunigt und den Energieverbrauch senkt.
Der Vorteil ist zugleich der Nachteil. Der aktuelle Chip HC1 kann nur Llama 3.1 8B ausführen, das bereits Mitte 2024 vorgestellt wurde. Das eigentliche Ziel von Taalas ist der automatisierte, schnelle Entwicklungsprozess für solche Chips. AMD will die Technologie in die Beschleuniger-Roadmap integrieren, neben den flexibleren Instinct-GPUs.
Perplexity-Agenten dürfen vorerst weiter auf Amazon einkaufen
In einem juristischen Verfahren hat ein Berufungsgericht eine einstweilige Verfügung ausgesetzt, die den Agenten von Perplexity den Zugriff auf Amazon verboten hatte. Amazon hatte das KI-Unternehmen im November verklagt und sah in den Shopping-Agenten ein Sicherheitsrisiko. Die Richter argumentierten, die Nutzer selbst kauften auf Amazon ein und verwendeten den Agenten lediglich als Werkzeug. Perplexity trete also nicht als Käufer auf.
Der Fall geht zurück an die Vorinstanz. Die Entscheidung wird in der Branche genau beobachtet, denn viele KI-Anbieter entwickeln ähnliche Agenten, die auf fremden Plattformen Aufgaben erledigen sollen. Ein Urteil könnte Präzedenzcharakter haben.
Anthropic macht Auto-Modus bei Claude Code zum Standard
Anthropic stellt sein Coding-Tool Claude Code ab dem 14. August auf den Auto-Modus als Standard um. Das Werkzeug arbeitet dann eigenständig und wartet nicht mehr bei jedem Schritt auf eine manuelle Freigabe. Ein Klassifikator prüft, ob eine Aktion gefährlich ist, und fragt nur dann nach.
In Tests mit über tausend Teilnehmern schnitt der Auto-Modus mindestens so sicher ab wie manuelle Freigaben, die Teams erledigten zugleich rund 25 Prozent mehr Arbeit. Bei 720 Prompt-Injection-Angriffen war keiner erfolgreich. Anthropic mahnt dennoch zur Vorsicht bei kritischer Infrastruktur. Der Klassifikator reduziere Risiken nur, er eliminiere sie nicht.
KI entwirft lebensfähige Bakteriophagen
Auf Basis neuer biologischer Ansätze haben Forscher der Stanford University und des Arc Institute erstmals mit KI vollständige, lebensfähige Virusgenome entworfen. Die Modelle Ivo I und Ivo II wurden auf die Sprache der DNA trainiert und schlugen tausend neue Genom-Varianten für Bakteriophagen vor, also Viren, die nur Bakterien befallen und für Menschen ungefährlich sind. Rund 300 wurden im Labor hergestellt, 16 funktionierten und konnten sich in Bakterien vermehren, obwohl es sie in der Natur nie gab.
Motivation ist unter anderem der Kampf gegen resistente Bakterien. Mit KI ließen sich passgenaue Phagen entwickeln. Die Fähigkeit birgt jedoch Risiken. Würde ein Modell mit dem Erbgut gefährlicher Erreger trainiert, könnten auch riskante Varianten entstehen. Das Modell ist Open Source, jeder mit genug Rechenleistung könnte es auf andere Daten trainieren. Die Prüfung von DNA-Bestellungen bei Syntheseunternehmen ist bislang oft freiwillig und bei neu designten Sequenzen unzuverlässig. Fachleute warnen, die internationalen Regeln hinkten den technischen Entwicklungen hinterher.
Grokipedia droht der Stillstand
Nach Berichten über sinkende Aktivitäten droht dem von Elon Musk initiierten Projekt Grokipedia geht offenbar die Luft aus. Berichten zufolge sind Aktivitäten auf der Plattform seit Monaten kaum noch zu verzeichnen. Ziel war eine neutrale Enzyklopädie, in der die KI Grok eine zentrale Rolle spielt.
Seit Monaten bearbeitet die KI keine Änderungsvorschläge mehr, auch Einreichungen von Menschen sind stark zurückgegangen. Während Grok anscheinend weiterhin neue Artikel erstellt, scheint die redaktionelle Weiterentwicklung zum Erliegen gekommen zu sein. Vom verantwortlichen Unternehmen SpaceXAI gibt es keine Stellungnahme.
Kann KI kleine Sprachen retten?
Wissenschaftler untersuchen, ob KI beim Erhalt von Minderheitensprachen helfen kann, doch das Training ist schwierig. Beim ostfriesischen Plattdeutsch fehlt es an ausreichend maschinenlesbaren und strukturierten Texten. Weiter ist die Ferring Stiftung auf Föhr, die schon im vergangenen Jahr ein Übersetzungsprogramm für Föhrer Friesisch entwickelt hat. Die Ergebnisse schwanken jedoch stark.
Auch international gibt es solche Bemühungen, etwa ein indigenes Team in Neuseeland, das die Māori-Sprache mit einer eigens trainierten KI wiederbeleben will. Allgemeine Modelle wie ChatGPT eignen sich nicht, da sie Dialekte vermischen und Fehler produzieren. Fachleute sehen KI als nützliches Werkzeug, betonen aber, dass Technologie allein eine Sprache nicht retten kann.
Google-Sicherheitschefin sieht mehr Zero-Days durch KI
Nach Einschätzung von Sandra Joyce als Chefin von Google Threat Intelligence, führt der Einsatz von KI zu einer deutlichen Zunahme entdeckter Zero-Day-Schwachstellen. KI hilft Angreifern wie Verteidigern, ihre Aktivitäten zu skalieren. Anfangs nutzte man sie vor allem für Social Engineering, inzwischen liefert sie auch komplexe technische Antworten zum Hacking.
Die größte Gefahr sieht Joyce in agentischen KI-Systemen, die solche Informationen autonom nutzen und eigenständige Angriffe durchführen können. Sie betont aber auch, dass KI die Abwehr stärkt. Statt in Panik zu verfallen, gelte es, reale Bedrohungen zu analysieren und Risiken gezielt zu managen.
Podiumsdiskussion bei den Hannah Arendt Tagen
Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung bei den Hannah Arendt Tagen 2026 diskutieren Ende September die Informatikethikerin Judith Simon, der KI-Forscher Marius Lindauer und heise-medien-Chefredakteur Volker Zota über die Auswirkungen von KI auf das Denken. Unter dem Titel „Chance oder Risiko: Wie verändert künstliche Intelligenz unser Denken?“ geht es um die Frage, ob Menschen kritisches Nachdenken und Verantwortung zunehmend an Systeme delegieren. Die Diskussion beginnt am 23. September um 18 Uhr im Medienhaus heise in Hannover.
(igr)
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