- KI-Update kompakt: Hate Aid vs. KI-Brillen, Mistral, Prompts, Twitch
HateAid erstattet Strafanzeige gegen Meta wegen KI-Brillen
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Die Organisation HateAid hat bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt Strafanzeige gegen die Geschäftsführungen von Meta, den Brillenmarken Ray-Ban und Oakley sowie den Optik-Ketten Fielmann, Apollo-Optik, Mister Spex und MediaMarkt eingereicht. Der Verkauf von Smart Glasses mit integrierter Kamera verstoße gegen das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz. Dieses verbietet Geräte, die als Alltagsgegenstand getarnt zum unbemerkten Filmen oder Abhören bestimmt sind. Im Falle einer Verurteilung drohen Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren sowie die Einziehung der Gewinne.
Im Visier steht besonders die „Ray-Ban Meta Wayfarer (Gen 2)“, die sich kaum von einer gewöhnlichen Sonnenbrille unterscheiden lässt. Meta lässt bei Aufnahmen eine LED blinken, die jedoch selten auffällt und sich manipulieren lässt. HateAid fordert eine farbliche Kennzeichnung der Kameras, manipulationssichere Vorkehrungen und klare Grenzen für Aufnahmen, wie sie für Dash- oder Bodycams gelten.
Apple erwägt Lizenzierung von Verlagsinhalten für Siri AI
Apple verhandelt mit großen Verlagen über mehrjährige Lizenzen für seine überarbeitete Sprachassistentin Siri AI. Das System soll damit auch aktuelle Nachrichten und Informationen liefern. Anders als bei bisherigen Branchenvereinbarungen setzt Apple laut Wall Street Journal nicht auf Garantiezahlungen, sondern auf eine nutzungsabhängige Vergütung. Das Budget soll im neunstelligen Bereich liegen.
Wie Verlagsinhalte im KI-System dargestellt werden, ist offen. Siri AI kommt im September mit iOS 27. Nutzer in Europa müssen aus regulatorischen Gründen länger warten.
Mistral wird zum Infrastruktur- und Plattformanbieter
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Das französische Mistral AI stellt sein Geschäft breiter auf. Für den Ausbau eigener Rechenkapazität in Europa bündelt das Unternehmen die Nachfrage großer europäischer Firmen und Institutionen, die mehrjährige Kapazitätszusagen abgeben sollen. Unternehmenskunden können zudem festlegen, ob ihre KI-Anfragen in Europa oder den USA verarbeitet werden. Laut VentureBeat plant Mistral eine Variante, bei der die Verarbeitung vollständig auf eigener Infrastruktur läuft, ohne große Cloudanbieter.
Der überraschendste Schritt: Mistral bietet künftig auch Open-Weight-Modelle anderer Entwickler über seine Plattform an. Den Anfang macht GLM-5.2 des chinesischen KI-Labors Z.ai. Damit verdient das Unternehmen an fremden Modellen, selbst wenn Kunden kein Mistral-Modell nutzen. Strategisch verschiebt sich Mistral vom Modellentwickler zum Infrastrukturanbieter, bei dem Rechenkapazität wichtiger werden könnte als einzelne Modelle.
Taiwan meldet KI-gestützten Cyberangriff auf Behörden
Taiwan bestätigt einen KI-gestützten Cyberangriff aus dem Ausland auf staatliche Behörden. Seit dem 20. Juli laufen Gegenmaßnahmen. Welche Stellen betroffen waren und ob Daten abflossen, teilte das Digitalministerium nicht mit. Das israelische Cybersicherheitsunternehmen Dream berichtet, die Angreifer hätten aus frei verfügbaren KI-Agenten wie OpenClaw ein weitgehend autonomes Werkzeug gebaut, das sich wie ein koordiniertes Hackerteam verhielt.
Anfang Juli seien zeitweise bis zu acht KI-Agenten gleichzeitig im Einsatz gewesen. In den Netzwerken von 21 staatlichen Stellen suchten sie nach Schwachstellen und änderten bei Widerstand ihre Taktik. Mindestens 85 Regierungskonten seien geknackt, mehr als 2500 Personaldatensätze abgezogen worden. Auch Taiwans Atomaufsicht und mindestens sieben Energieunternehmen wurden Ziel des Angriffs. Vereinfachte chinesische Schriftzeichen in der internen Kommunikation deuten laut Dream auf einen Betreiber mit Verbindung zu China hin.
Forscher rekonstruieren Nutzer-Prompts aus Chatbot-Antworten
Aus der Antwort eines Chatbots lässt sich zurückrechnen, was jemand gefragt hat. Ein Team der Technik-Hochschule IIT Bombay und von Adobe Research hat ein Modell gebaut, das eine fertige KI-Antwort liest und daraus den auslösenden Prompt rekonstruiert. Der Trick liegt in der Blickrichtung. Normalerweise sagt ein Sprachmodell das nächste Token voraus, hier läuft es umgekehrt von der Antwort zurück zur Frage. Die Forscher nennen das „Previous-Token Prediction“.
In Tests traf das Rückwärts-Modell einzelne Eingaben wortwörtlich und lieferte mehrere sinngleiche Varianten. Zugriff auf die Modellgewichte braucht es dafür nicht, es reicht der ausgegebene Text. Trainiert auf einem kleinen Qwen-Modell, rekonstruierte es auch Prompts aus GPT-4o-Antworten. Getestet hat das Team nur kurze Eingaben von ein bis zwei Sätzen. Ob sich auch lange System-Prompts von Unternehmen mit Geschäftsgeheimnissen auslesen lassen, untersucht das Paper nicht.
Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im "KI-Update" von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder dreimal die Woche Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Neue KI-Modelle von Google, OpenAI und DeepSeek
Google bringt Gemini 3.7 Flash nur drei Wochen nach dem Vorgänger 3.6 Flash. Es sei das bislang leistungsfähigste Flash-Modell für Coding- und Agentenaufgaben, im Benchmark-Vergleich fällt das Bild aber gemischt aus. Cerebras und OpenAI stellen parallel den Service-Tier „Ultrafast“ für GPT-5.6 Sol vor. Beschleunigt von Cerebras‘ Wafer-Scale-Engine-Hardware soll dieser Modus bis zu 14-mal schneller als der Standard arbeiten. Im Wissens-Benchmark Humanity’s Last Exam habe das Modell alle 2500 Fragen in gut elf Stunden beantwortet, während Anthropics Claude Fable 5 dafür mehr als drei Tage brauchte.
DeepSeek gibt zudem das Sprachmodell V4-Pro allgemein frei. Es verspricht produktivere Agenten. Neu ist eine einstellbare Reasoning-Intensität für V4-Pro und V4-Flash: niedrig für einfache Aufgaben, hoch für alltägliche Agenten-Workflows, maximal für komplexe Aufgabenstellungen.
Anthropics Fable 5 findet kaum Unternehmenskunden
Das leistungsstärkste KI-Modell am Markt bleibt bei Unternehmen liegen. Im ersten Monat nach dem Start entfielen laut Daten des Finanzdienstleisters Ramp nur rund sechs Prozent der bei Anthropic gekauften Tokens auf Fable 5. OpenAIs Flaggschiff GPT-5.6 Sol kommt im eigenen Haus auf 25 Prozent.
Der Grund liegt vermutlich im Preis. Fable 5 kostet etwa doppelt so viel wie die OpenAI-Konkurrenz. Damit scheint eine Obergrenze erreicht, ab der Firmen den Aufpreis für mehr Leistung nicht mehr zahlen, zumal sich der Vorsprung im Arbeitsalltag kaum in Zahlen fassen lässt. Erfahrene Nutzer weichen zunehmend auf offene Modelle aus, deren Fähigkeiten den kommerziellen Spitzenmodellen nur noch wenige Monate nachstehen.
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Twitch trainiert Amazon-KI-Modelle mit Nutzerinhalten
Twitch nutzt Streams, Clips und Chats für das Training der Amazon-KI. Das Unternehmen kündigte die Möglichkeit, dies abzuschalten, als positive Neuerung an. Die Reaktion der Nutzer fiel entsprechend aus, denn zuvor hatte Twitch die Datennutzung offenbar nicht klar öffentlich angekündigt. Kritisiert wird sowohl das Vorgehen selbst als auch, dass die Funktion standardmäßig aktiviert ist.
Auch wer die Einstellung deaktiviert, ist nur eingeschränkt geschützt. Schreibt man im Chat eines anderen Streamers, gilt dessen Einstellung, nicht die eigene. Selbst gut informierte Nutzer können sich damit kaum wirksam schützen.
Indiens Zentralbank will KI für Kreditentscheidungen
Indiens Zentralbankchef Sanjay Malhotra schlägt vor, KI für Kreditentscheidungen einzusetzen, gerade bei Anfragen, die Bankangestellte ablehnen würden. In Indien fehlen vielen Menschen und Kleinbetrieben Bankkonten und formale Buchhaltung. Für Banken gelten sie daher meist als kreditunwürdig. KI könnte alternative Daten wie Stromzahlungen oder digitale Aktivitäten auswerten, um die Kreditwürdigkeit zu beurteilen.
Zusätzlich soll KI die Kundenbetreuung effizienter machen und Sprachbarrieren abbauen, da Indien viele Amtssprachen hat und ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht lesen kann. Um Risiken wie fehlender Nachvollziehbarkeit und Diskriminierung zu begegnen, müsse am Ende immer ein Mensch die Entscheidung verantworten, betonte Malhotra.
(igr)
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