Volkswagens Softwaretochter Cariad und Bosch haben Anfang des Jahres 2022 eine Partnerschaft angekündigt, um gemeinsam „zielgerichtet und schneller automatisierte Fahrfunktionen zu entwickeln“. Nun berichtet die Bild-Zeitung aus Insiderquellen, dass VW die „Automated Driving Alliance“ (ADA) beenden wolle. Cariad wollte dies auf Anfrage von heise online nicht bestätigen, jedoch prüfe der Konzern grundsätzlich regelmäßig Entwicklungspartnerschaften.
Weiterlesen nach der Anzeige
Dem Zeitungsbericht zufolge gehören zu den Gründen des mutmaßlichen Endes der Kooperation mangelnde Fortschritte und der Sparzwang – erst vergangene Woche hieß es, dass VW vier deutsche Werke schließen und weltweit bis zu 100.000 Jobs streichen könnte. In die Partnerschaft seien rund 1,5 Milliarden Euro geflossen, jedoch gelte die Technik intern als nicht wettbewerbsfähig. Besonders beim sogenannten Level 2++, dem Fahren ohne Hände am Lenkrad im Stadtverkehr, sehe VW einen erheblichen Abstand zur Konkurrenz, heißt es.
Gegenüber heise online sagte ein Cariad-Sprecher: „Wir prüfen grundsätzlich regelmäßig unsere Entwicklungspartnerschaft und stimmen uns fortlaufend dazu ab, ob sie zu unseren strategischen und technologischen Zielen sowie den aktuellen Entwicklungen auf dem Markt passt. Insbesondere bei Level-3-Fahrsystemen – gerade in Europa – haben sich andere Entwicklungen in Markt und Technologie ergeben als zu Beginn der Zusammenarbeit erwartet.“
Software-Stack für ID.1
Ein entschiedenes Dementi zum möglichen Aus der Partnerschaft klingt anders. Auf konkrete Details zu den Inhalten vertraulicher Gespräche mit den Partnern wollte sich in der mit Bosch veröffentlichten Stellungnahme nicht eingehen.
Cariad hebt hervor, dass in der Zusammenarbeit ein „Software-Stack mit Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt“ worden sei. Dieser könne in verschiedenen Fahrzeugklassen – vom Kleinwagen bis zum Premiummodell – und in Elektro- sowie Verbrennerplattformen integriert werden. Ferner stehe „die Lösung beiden Projektpartnern für den Einsatz in Serienfahrzeugprojekten und zur jeweiligen Weiterentwicklung zur Verfügung“. Eines der ersten VW-Fahrzeuge mit dem System soll der Volkswagen ID.(EVERY)1 sein, der 2027 in Serie gehen soll.
Laut Cariad deckt der modulare Software-Stack „das Spektrum des assistierten Fahrens auf Level 2 ab und ermöglicht in seiner höchsten Ausprägung auch sogenannte ‘handsfree’-Fahrfunktionen“, die in etwa dem Level 2++ entspricht – bei diesem Grad der Automation spricht man auch von „hands-off, eyes-on“. Auch Mercedes will bis 2027 diesen Grad der Automation in einige Fahrzeuge bringen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Dem Zeitungsbericht zufolge soll der VW-Konzern Hard- und Software von einem neuen Partner einkaufen, statt sie selbst zu entwickeln. Hinsichtlich der Hardware dürfte VW jedoch mit Qualcomm einen festen und starken Partner haben, der ab 2027 zum primären Halbleiterlieferanten für fast alle E-Autos des Volkswagenkonzerns werden soll, die auf Basis der Rivian-Plattform entstehen.
Dem Bericht zufolge soll die Bosch-Allianz frühestens am 29. Juni (also dem heutigen Montag) endgültig gekündigt werden — eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Bis Ende September soll ein Vertrag über die Zusammenarbeit mit einem neuen Softwarepartner stehen.
Die „Automated Driving Alliance“ hatte ursprünglich einen ehrgeizigen Zeitplan. Die selbst entwickelte, KI-basierte Software für den Einsatz in Serienfahrzeugen sollte Mitte 2026 bereit sein. Der Fokus lag dabei nicht auf Robotaxis wie denen von der VW-Sparte Moia, Waymo oder Lyft in Kooperation mit Baidu. Vielmehr ging es um das automatisierte Fahren in Privatautos, das nicht auf geografisch enge Gebiete beschränkt ist.
Mehr zum Thema autonomes Fahren
(afl)
Dieser Link ist leider nicht mehr gültig.
Links zu verschenkten Artikeln werden ungültig, wenn diese älter als 7 Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.
Sie benötigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen – ohne Verpflichtung!