Der AI Summit Barcelona will nicht nur zeigen, was mit Künstlicher Intelligenz (KI) technisch möglich ist, sondern vor allem, was sich damit in der Praxis anfangen lässt. Zwei Tage lang treffen im Hafen von Barcelona Unternehmen, Start-ups, Entwickler, Forschende, politische Akteure und viele Anwenderinnen und Anwender aufeinander. Im Mittelpunkt stehen echte Fallstudien, Demos und Workshops – von KI-Agenten im Kundenservice über Anwendungen im Gesundheitswesen bis zu KI in Energie, Mobilität und Finanzbranche. Ergänzt wird die Konferenz durch eine AI Week mit Hackathon und Veranstaltungen in der Stadt.

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Die Frage, die sich durch das Programm zieht, lautet: Wie lässt sich KI sinnvoll und gewinnbringend einsetzen? Denn viele Unternehmen können zwar beziffern, was sie für KI-Werkzeuge ausgeben. Der finanzielle Nutzen, also ein messbarer Return on Investment, ist hingegen oft unklar. Deshalb geht es auf dem Summit nicht nur um neue Modelle und Agenten, sondern auch um Projekte, die über den Pilotstatus hinauskommen sollen – und um die Gründe, warum genau das häufig scheitert.

KI verändert Arbeit und Organisationen

Dabei wird deutlich, dass sich nicht nur einzelne Arbeitsabläufe verändern müssen, sondern ganze Organisationen. Christian Rebernik, Mitgründer der Tomorrow University, fasst die Herausforderung in seiner Keynote so zusammen: Unternehmen müssten KI nicht bloß einführen, sondern die Rolle jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters neu ausrichten, um Prozesse und Geschäftsmodelle anpassen zu können. Und dann müssen nicht nur Tools bereitgestellt werden, sondern es muss ein Arbeitsklima herrschen, in dem die Angestellten gemeinsam lernen können, wie sie diese Tools auch am sinnvollsten für ihre Arbeit nutzen.

Laut Rory Keddie, Principal Product Evangelist der kollaborativen Cloudplattform Miro, hat sich gerade Wissensarbeit durch KI von einer Jam-Session mit Ideen, Konflikten und kreativen Lösungen eher zur Fließbandarbeit entwickelt. Darum müssten neue Workflows geschaffen werden, damit Menschen weiterhin ihre kollektive Intelligenz entfalten können und nicht nur stupide mit dem KI-Agenten Aufgaben abarbeiten.

Ein Entwickler erzählte beim Warten in einer der langen Schlangen vor den Vortragssälen, dass sich seine Arbeit in den vergangenen zwei Jahren grundlegend gewandelt hat: Früher sei er Teil eines sechsköpfigen Teams gewesen, heute arbeite er allein und schreibe vor allem Prompts für Claude statt Code. „Es ist langweiliger geworden.“ Ein anderer hingegen hofft, dass KI bald fast alle Aufgaben am Rechner übernimmt – und dadurch mehr Raum für zwischenmenschliche Arbeit schafft. Auch wenn dies nach Gegensätzen klingt, können sich beide ihre Arbeit ohne KI-Agenten nicht mehr vorstellen.

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Europäische Werte und Infrastruktur

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Anders als bei den oft emotionalen Debatten der letzten Wochen über existenzielle Risiken durch KI überwiegt in Barcelona ein pragmatischer Blick: KI schafft zwar auch neue Probleme, soll aber vor allem helfen, bestehende zu lösen. Der Programmbereich „AI for Good“ befasst sich etwa mit Klima, Energie, Barrierefreiheit, Inklusion und verantwortungsvoller KI. Der Anspruch des Summits: Nicht die nächste spektakuläre Demo steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie KI unter Beachtung europäischer Regeln dauerhaft nützlich werden kann.

So unterstreicht der Summit neben dem Praxisfokus auch Kataloniens Ambition, Barcelona zu einem Standort für europäische KI zu machen. Die Region will bis 2030 eine Milliarde Euro in KI investieren, unter anderem in souveräne Cloud-Angebote, Chips, Supercomputing und Talentförderung. Entsprechend präsent sind Fragen nach Datenhoheit, Cybersicherheit, Governance, dem AI Act und europäischer Infrastruktur.

(igr)

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